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FAMILIE

Warten auf den Landarzt

Theresia Schulte-Urban ist gesundheitlich stark angeschlagen und auf die Hilfe ihres Sohnes Josef und ihrer Schwiegertochter Brigitte angewiesen. Einen Hausarzt vor Ort vermisst die ganze Familie. Foto: G. Lütke Hockenbeck

Mehr als ein Drittel der Hausärzte geht in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. In vielen Gemeinden in Westfalen-Lippe wird es für die Landpraxen keinen Nachfolger mehr geben. Die Suche nach einem Doktor war bislang vergebens.

Seit Monaten sucht Klaus Eichhorn einen Hausarzt für das 1500- Seelen-Dorf Wenholthausen. Mit seinem Internetaufruf „Dorf sucht Arzt“ sorgt der 69-jährige Privatmann aus dem Sauerland für Medien-präsenz. Doch bislang erfolglos. Dabei ist die Situation, wie sie sich in Wenholt-hausen bei Eslohe darstellt, kein Einzelfall. Die flächendeckende hausärztliche Versor-gung auf dem Land steht zukünftig in vielen Bereichen Westfalen- Lippes auf dem Spiel. Das war absehbar. Denn das demografische Phänomen der Überalterung macht auch vor der Ärzteschaft nicht halt.

Ärztehaus steht leer

In Wenholthausen, dem kleinen Golddorf inmitten der Mittelgebirgslandschaft mit typisch sauerländischem Flair in Fachwerkoptik und Fremdenverkehr, sind die Dorfbewohner seit gut eineinhalb Jahren ohne hausärztliche Versorgung vor Ort. „Die Praxis des verstorbenen Hausarztes wurde für kurze Zeit von einer Ärztin weitergeführt. Sie heiratete und zog wenig später zu ihrem Mann ins knapp 30 km entfernte Schmallenberg“, berichtet Klaus Eichhorn. Die Praxis sei zum Schluss nur noch sporadisch geöffnet gewesen, bevor sie schließlich ganz geschlossen wurde. Seitdem steht das alte Ärztehaus leer.
Für eine Behandlung oder Untersuchung müssen die Bewohner nun Allgemeinmediziner in benachbarten Orten aufsuchen. Das ist vor allem für alte und schwer kranke Menschen beschwerlich. So auch für Theresia Schulte-Urban. 

Angenehmer mit Arzt vor Ort
Die 78-jährige Seniorin führte lange Jahre eine Fremdenpension auf dem Hof. 1985 erkrankte sie an Krebs. Zur Nachbehandlung unterzog sich Theresia Schulte-Urban damals einer alternativen Krebstherapie. „Ich bin dann täglich zum Hausarzt gegangen und habe mir die Spritze geben lassen“, berichtet sie. Nur 500 m Fußweg und sie war da.
Heute ist alles anders. Es gibt keine hausärztliche Versorgung mehr im Ort. Und Theresia Schulte-Urban ist einmal mehr auf ihre Schwiegertochter Brigitte angewiesen, wenn sie zum Arzt muss. Denn gesundheitlich ist Theresia Schulte-Urban stark angeschlagen und mittlerweile pflegebedürftig. Mit dem Auto kann sie nicht mehr fahren. Fahrten zum Arzt oder um Rezepte abzuholen, erledigt in der Regel Schwiegertochter Brigitte Schulte- Urban. „Für mich wäre es viel angenehmer, wenn ein Arzt vor Ort wäre“, bedauert die Seniorin im Hinblick darauf, wieder zu Fuß zum Arzt gehen zu können. Gerlinde Lütke Hockenbeck

Mehr über den Ärztemangel in vielen Regionen von Westfalen-Lippe lesen Sie in der Wochenblatt-Ausgabe 30/2010 ab Seite 78.

Einen Kommentar zum Thema Ärztemangel lesen Sie hier.

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