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Weniger Geld für Solarstrom

Wer eine neue Anlage plant, sollte Ruhe bewahren und die weitere Preisentwicklung beobachten. Foto: B. Lütke Hockenbeck

Landwirte, die in den Sonnenstrom investieren wollten, sollten jetzt abwarten, bis das neue Einspeisegesetz (EEG) in Kraft tritt. Mit diesen Worten kommentiert Kammerberater Stefan Blome die Mitte vergangener Woche bekannt gewordenen Pläne von Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen.
In einem Eckpunktepapier hat das Ministerium dargelegt, wie der Solarstrom künftig für neu ans Stromnetz gehende Anlagen vergütet werden soll.

Solarmodule immer billiger
Begründet wird die Anpassung mit dem Verfall der Marktpreise für Solarmodule, was zu einer Überförderung geführt habe. 2009 seien die Systempreise (Module plus Installationskosten) im Schnitt um 30 % gesunken. Für 2010 rechnet die Branche nochmals mit Preisabschlägen von 10 bis 15 %.

Nach Beobachtungen von Blome sind Anlagen mit kristallinen Modulen in Nordrhein-Westfalen im zweiten Halbjahr 2009 von 2300 bis 2600 €/kW installierte Leistung (Netto) angeboten worden. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres (2008) kosteten die gleichen Anlagen noch 3000 € bis 3300 €/kW.

Eckpunkte des Ministers
Der Umweltminister schlägt in dem Eckpunktepapier unter anderem Folgendes vor:

  • Zum 1. April wird die Einspeisevergütung um 15 % einmalig und zusätzlich (zur schon bestehenden Degression im EEG) abgesenkt. Für Anlagen bis 30 kW wird der Strom derzeit mit rund 39 Cent, für Anlagen bis 100 kW mit 37 Cent vergütet.
    Ab 1. April 2010 gibt es für Neuanlagen dann nur noch 33 Cent, für Anlagen bis 100 kW gut 31 Cent/kWh.
  • Für Freiflächenanlagen kommt die 15%ige Absenkung zum 1. Juli 2010. Die Absenkung erhöht sich um 10 % auf 25 %, wenn die Anlage auf einer Ackerfläche errichtet wird. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Freiflächenanlagen in Zukunft nur noch auf Konversionsflächen (stillgelegte Bundeswehrstandorte, verseuchte Industriegelände und dergleichen) gebaut werden.
  • Die Förderung aller PV-Anlagen soll in Zukunft flexibel an die Marktentwicklung angepasst werden. Als Zielmarge für den jährlichen Zubau in Deutschland werden 3000 Megawatt (MW) pro Jahr genannt. Bei einem Zubau von 2500 bis 3000 MW bleibt es bei der bisherigen Degression im EEG (–9 % pro Jahr).
    Liegt der Zubau über 3500 MW, wird sich die Degression in 1000 MW-Schritten jeweils um weitere 2,5 % erhöhen.
  • Die einmalige Absenkung erfolgt nicht beim Eigengebrauch des Solarstroms. Im Gegenteil, soweit der Erzeuger den Sonnenstrom selbst verwertet, soll er von einer höheren Vergütung (bislang rund 4 Cent/kWh, demnächst wahrscheinlich 10 Cent) profitieren.
  • Der bestehende und neu angelegte Degressionspfad im EEG wird laut Ministerium dazu führen, dass bereits um 2013 Solarstrom nicht mehr teurer ist als Haushaltsstrom, den das EVU liefert.

Soweit die Vorschläge des Bundesumweltministers. Ob die Einspeisesätze am Ende tatsächlich im Bundesgesetzblatt stehen und wann das neue Gesetz in Kraft tritt, bleibt abzuwarten.

Wie jetzt reagieren?
Eine geplante Neuanlage bis 1. April 2010 ans Stromnetz zu bekommen, dürfte in den meisten Fällen nicht mehr zu realisieren sein, meint Energieberater Blome. Einerseits sind die meisten Solarinstallateure im ersten Quartal 2010 ausgelastet, andererseits benötigt jeder Bauherr unter anderem die Einspeisezusage des Stromnetzbetreibers.

Blome weiter: Die Netzzusage bei Anlagen bis 30 KW stellt grundsätzlich kein Problem dar, weil diese Anlagen über den Hausanschluss ans Stromnetz gehen. Acht bis zehn Wochen kann es jedoch mit der Zusage dauern, wenn Anlagen über 30 KW ans Stromnetz angeschlossen werden sollen.

Blome rät allen Landwirten in NRW, zunächst die Entwicklung und Verabschiedung des Gesetzes abzuwarten. Liegen die neuen Einspeisesätze vor, werden die Solaranbieter ihre Preise neu kalkulieren, das heißt nach unten anpassen. Blomes Prognose: Solaranlagen bleiben auch in Zukunft rentabel. Der Staat wird die weitere dynamische Entwicklung der Branche nicht abwürgen. Zu viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Solaranlagen bzw. Solarparks auf Ackerflächen dürften indes ab 1. Juli, wenn die Einspeisevergütung tatsächlich um 25 % sinkt, in den meisten Fällen unrentabel werden. Laut Blome wird die Vergütung für solche Anlagen von heute 28,43 auf 21,32 Cent sinken. Blome sinngemäß: Um eine solche Anlage wirtschaftlich betreiben zu können, dürfen die Investitionskosten 2000 €/kW nicht übersteigen.     Armin Asbrand