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Sturzbäche, Bruthitze und trockene Äcker

Im Juli 2016 entstand diese Aufnahme in der Weserniederung. Von Sturzfluten aber blieb Westfalen im vergangenen Jahr verschont. Foto: Weike

16.03.2017 . Auch der Deutsche Wetterdienst in Offenbach kennt eine Art Bilanzkonferenz: Dieses Mal ging es nicht nur um einen Rückblick auf das turbulente Wetterjahr 2016, sondern auch um ein neues Hitzewarnsystem.

 

Am 1. Juni wird der DWD ein besonderes Hitzewarnsystem einführen, das vor allem ältere und erkrankte Menschen und betroffene Städter rechtzeitig informieren soll. Bislang waren nur pauschale Warnungen vor übermäßiger Hitze auf Ebene der Regionen und Landkreise möglich.

Die Notwendigkeit dieses Systems unterstrich DWD-Vizepräsident Dr. Paul Becker mit dramatischen Zahlen, die die Münchener Rückversicherung zusammengetragen hat. Demnach sind durch Hitzewellen zwischen 1980 und 2013 in Europa rund 75.000 Menschen ums Leben gekommen. Allein an der Hitzewelle des Sommers 2003 seien in Deutschland 8000 Menschen gestorben. Becker: „Diese erschreckenden Zahlen zeigen: Übermäßige Hitze ist eine der größen Gefahren für das menschliche Leben, nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland.“

Starkregen in Staffeln
Schwere Gewitter, Regen ohne ende, Sturzfluten und Überschwemmungen prägten das Wettergeschehen in Deutschland im Mai und Juni vergangenen Jahres. Allein in Deutschland sind 11 Menschen gestorben. Die Meteorologen verzeichneten Tagesniederschläge zwischen 40 und 80 l/m2, gebietsweise deutlich über 100 l/m2, ausgelöst durch die Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“.
Am 29. Mai fielen im Landkreis Schwäbisch Hall in einer Stunde bis zu 90 l/m2 Regen, mit der Folge einer verheerenden Sturzflut in der Ortschaft Braunsbach.
Zwei Tage später kam es noch schlimmer: im Landkreis Rottach-Inn fielen vom 31. Mai bis 2. Juni Niederschlagsmengen von teilweise mehr als 150 l/m2. Bereits am 1. Juni kam es deswegen in Simbach im Landkreis Rottal-Inn zu einer  schweren Sturzflut. Die Scheitelwelle des Simbaches, sonst etwa 20 cm hoch, erreichte einen Wert von rund fünf Metern!
Ähnliche Wetterextreme gab es bereits in früheren Zeiten, wenn auch nicht in einer so dicht gestaffelten Kette: 
Füssen, 25. Mai 1920: 126 l/m2  in acht Minuten,
Miltzow / Vorpommern, 15. September 1968: 200 l/m2 in einer Stunde,
Münster / Westfalen, 28. Juli 2014 in : 264 l/m2 in zwei Stunden,
Zinnwald-Georgenfeld, 2. August 2002: 353 l/m2 in 24 Stunden. Str.

2016: "Zu warm" und "zu trocken"

Das zurückliegende Jahr 2016 war „zu warm“ und „zu trocken“. So fasst der DWD das Wetter und Klima des zurückliegenden Jahres zusammen. Demnach errechneten die Naturwissenschaftler für 2016 eine Durchschnittstemperatur von 9,5 Grad Celsius in Deutschland.

Zum Vergleich: Im Mittel der Jahre 1961-1990 lag die Durchschnittstemperatur bei 8,2 Grad Celsius, wie Thomas Deutschländer, Referatsleiter beim DWD, auf der Pressekonferenz zum Jahresrückblick erläuterte.

Viel Regen nur in der ersten Jahreshälfte

Auf der 136 Jahre umfassenden Zeitreihe der Temperaturen liege das Jahr 2016 „auf dem 8. Rang“. Damit füge es sich in den klar sich abzeichnenden Trend zur Erwärmung der Atmosphäre, auch wenn es keinen neuen Hitzerekord und keine langanhaltende Hitzewelle wie noch im Sommer 2015 gegeben habe, so Deutschländer.

Beim Blick auf die Niederschläge des zurückliegenden Jahres zeigte sich ein differenziertes Bild. Im Jahresdurchschnitt fielen 701 l/m2 Niederschläge. Das waren 56 l/m2 weniger als im Mittel der Jahre 1961-1990. Unter dem Strich war 2016 „das sechste zu trockene Jahr in Folge“ gewesen, erläuterte Thomas Deutschländer vor der Presse.

Trockenheit, aber keine "Dürre"

Dieses Resümee überrascht, denn gerade im Frühsommer hatte es über mehrere Wochen hinweg eine Staffel von Starkniederschlägen gegebe (siehe Kasten). In der zweite Jahreshälfte von Juli bis Dezember blieb es aber auffällig niederschlagsarm. Der DWD spricht von einem „Niederschlagsdefizit von 30 Prozent“, aber nicht von einer „Dürre“, da die Trockenheit „einen Zeitraum außerhalb der primären Wachstumssaison“ umfasst habe.

In der Landwirtschaft habe die anhaltende Trockenheit  für Ernteprobleme etwa bei der Kartoffel- und Zuckerrübenernte gesorgt, so dass noch späte Beregnungsmaßnahmen notwendig geworden seien. Der Meteorologe Thomas Deutschländer wörtlich"

„Inwieweit sich die inzwischen bis weit in den Februar hinein anhaltende Trockenheit auch in diesem Jahr noch nachhaltig auf die Natur auswirkt, hängt entscheidend von den Niederschlagsverhältnissen der nächsten Monate ab. Die Land- und Forstwirtschaft blickt jedenfalls gespannt auf den Frühling und hofft auf viel Regen.“  Str.

 

 

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