Partner von

Niedersachsen: Zu viel Gülle – das muss sich ändern

In einigen Regionen Niedersachsens wird mehr Gülle produziert, als auf dem Acker ausgebracht werden kann. Foto: B. Lütke Hockenbeck

24.10.2013 . Dass in einigen Regionen Niedersachsens eine so hohe Viehdichte herrscht, dass der anfallende Wirtschaftsdünger nicht allein im jeweiligen Landkreis verwertet werden kann, dürfte kaum überraschen. Der "Nährstoffbericht 2012/13" fasst dies nun in Zahlen: In den Überschusslandkreisen der Weser-Ems-Region fehlen 65.000 ha für eine Boden- und Umweltverträgliche Düngung. Landwirtschaftsminister Christian Meyer fürchtet eine Überdüngung des Grundwassers und sieht dringenden Handlungsbedarf.

„Die Zahlen verdeutlichen, in welchen Regionen möglicherweise zu viel Dünger auf Feld und Wiese landet. Das ist zugleich ein Auftrag, gegenzusteuern." Der nun vorgelegte Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer müsse „zu zügigen Konsequenzen führen", so der Landwirtschaftsminister am gestrigen Mittwoch in Hannover. „Denn es kann kein Zweifel mehr daran bestehen, dass wir umgehend handeln müssen. Niedersachsen muss sein Grundwasser vor nicht sachgerechter Überdüngung schützen", sagte Meyer.

Die nackten Zahlen

Der Untersuchung zufolge fallen in Niedersachsen in der Tierhaltung rund 39 Mio. t Gülle und etwa 8 Mio. t Festmist an. Davon werden rund 6 Mio. t zur energetischen Nutzung in Biogasanlagen eingesetzt. In Niedersachsen wurden rund 15 Mio. t Wirtschaftsdünger und Gärreste an andere Betriebe im eigenen Umfeld oder in andere Regionen und Bundesländer zur Düngung von Acker- und Grünlandflächen abgegeben.

Der Nährstoffbericht
Der im Auftrag des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen erstellte „Nährstoffbericht 2012/2013" verschafft erstmals eine Übersicht darüber, wo wieviel Wirtschaftsdünger und Gärreste erzeugt und ausgebracht werden. Grundlage des Berichtes sind elektronische Meldedaten, die von den meldepflichtigen Betrieben in eine Datenbank der LWK nach den Vorgaben der Landesverordnung über die Meldepflicht für Wirtschaftsdünger (seit Juli 2012 in Kraft) gemeldet wurden. Insgesamt haben 10.388 Abgeber mit 112.000 Einzelmeldungen die Nährstoffabgabe unter Angabe der Wirtschaftsdüngerart, der Menge, des Transporteurs sowie der Adressen von 17.878 aufnehmenden Betrieben dokumentiert.

Die anfallenden Nährstoffmengen aus Wirtschaftsdüngern und Gärresten betragen im Durchschnitt landesweit 119 kg organischem Stickstoff und 60 kg Phosphat pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Aufgrund der noch nicht berücksichtigten Menge von mineralischem Stickstoff, der zusätzlich eingesetzt wird, ergibt sich landesweit ein Stickstoffüberschuss. Dieser Überschuss bedeutet in einigen Regionen eine Belastung für das Grundwasser.

Mit Blick auf die anstehende Verschärfung des Düngerechts sehen Landesregierung und Landwirtschaftskammer deshalb großen Handlungsbedarf für weiterführende ordnungsrechtliche Maßnahmen wie ein besserer Informationsabgleich von Landkreisen und Landwirtschaftskammer für ein Düngekataster. Gleichzeitig müsse die Düngeberatung intensiviert werden, hieß es am Mittwoch. Notwendig seien überdies innovative Lösungen für die technische Aufbereitung und den Transport von Wirtschaftsdüngern.

Zu hohe Tierbestände im Westen

Nach Bilanzierung des Wirtschaftsdüngeranfalls der Im- und Exporte sowie unter Berücksichtigung der landbaulich verwerteten Klärschlammmengen fehlen den Überschusslandkreisen der Weser-Ems-Region insgesamt rund 65.000 Hektar für eine boden- und umweltverträgliche Düngung. „Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache", sagte Agrarminister Meyer. „Niedersachsen hat im Westen deutlich zu hohe und nicht flächenangepasste Tierbestände."

Nach Meyers Worten weisen einige Landkreise eine zu hohe Viehdichte im Verhältnis zur vorhandenen landwirtschaftlichen Fläche auf. „Um dort Wirtschaftsdünger gemäß der Grenzen der Düngeverordnung ordnungsgemäß auszubringen, müssen noch weitere 5,8 Mio. kg Phosphor (P2O5) in Form von Gülle oder Festmist in andere Landesteile transportiert werden." Erfolge dies nicht oder nicht in ausreichendem Maße, komme es zur Überdüngung der Felder. Tatsächlich steigen nach Angaben des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) seit 2006/2007 wieder die Nitratwerte in diesen Regionen im Grundwasser. „Das hat auch mit der Zunahme der Tierhaltung und der Zunahme des Nährstoffanfalls aus Biogasanlagen zu tun", sagte Niedersachsens Agrarminister.

Insgesamt rund 60 % des Grundwassers seien in Niedersachsen in einem schlechten Zustand und durch zu hohe Nitratwerte belastet. „Diese Flächen liegen häufig in den Tierhaltungsregionen in Westniedersachsen, wo die Tierzahl deutlich höher ist als die Zahl der verfügbaren Flächen für die ordnungsgemäße Ausbringung von Wirtschaftsdüngern", sagte Meyer. Deshalb fördere die neue Landesregierung den Ausbau der Tiermast nicht, sondern habe im Gegenteil die Auflagen deutlich verschärft. Meyer nannte eine Vielzahl an Maßnahmen wie die Streichung von indirekten Subventionen, Filterpflicht für Schweineställe, Keimgutachten, Antibiotika-Minimierung, Baurechtsnovelle sowie Tierschutzplan. Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium

22°C