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Mobbing gegen Bauernkinder

Aktionsbündnis distanziert sich von anonymem Brief

Mit klaren Worten hat sich das Aktionsbündnis „Wir haben es satt!“ von den anonymen Schmähbriefen gegen Landfrauen und Landwirte distanziert, die in Süddeutschland aufgetaucht sind.

Dieses anonyme Schreiben wurde von der Landfrauenpräsidentin Juliane Vees öffentlich gemacht.

Das Bündnis „Wir haben es satt!“ hat sich deutlich von den in Süddeutschland aufgetauchten anonymen Schmähbriefen gegen Landfrauen und Landwirte in seinem Namen distanziert. Kampagnensprecher Jochen Fritz erklärte auf der Facebook-Seite des Bündnisses und gegenüber dem Nachrichtendienst Agra-Europe, dass die Briefe keinesfalls aus der eigenen Feder stammten. Das Aktionsbündnis habe großes Interesse an einer schnellen Aufklärung. Rechtliche Schritte würden derzeit geprüft. Fritz betonte, dass man die Diffamierung von Landwirten grundsätzlich ablehne und vielmehr an einem weiteren Dialog interessiert sei.

Anonymes Schreiben aus Fockbeck

Am Dienstag hatte Juliane Vees, Landwirtin in Eutingen und Präsidentin des Landfrauenverbandes Württemberg-Hohenzollern, ein anonymes Schreiben veröffentlicht, das sie am Tag zuvor erhalten hatte. Das Schreiben ist in Fockbeck bei Rendsburg (Schleswig-Holstein) abgestempelt und trägt einen Aufkleber der Nichtregierungsorganisation „Greenpeace“ mit dem Slogan „Rettet die Bienen!“. Nach Medienberichten sollen auch benachbarte Landwirtsfamilien anonyme Briefe erhalten haben.

In dem Schreiben an die Landfrauenpräsidentin Vees bezieht sich der anonyme Verfasser offenbar auf eine Reportage zum Mobbing von Bauernkindern – ein Thema, um das sich Vees seit einigen Jahren intensiv kümmert. Der anonyme Verfasser wirft Landwirten unter anderem eine Falschdarstellung der eigenen Arbeit und deren Auswirkungen auf die Natur vor. Kinder sollten „nicht so naiv auf dem Trecker mitsitzen“ und von klein auf an die „umweltschädlichen“ Arbeiten herangeführt werden, heißt es in dem Brief, der in einer Art Rundumschlag Schlagworte auflistet wie „Rehkitze schreddern“, „Pestizide“, „Antibiotikum“, „Hormone“, „Knickvernichter“, Trinkwaservernichter“, „Ständige Subventionen“. Der Katalog mündet in der Frage: „Und so will Ihr Sohn als Erwachsener weitermachen?“

Der anonyme Verfasser schreibt weiter, er würde seinem Kind „die verblendete Hofbesichtigung“ verbieten. Der Brief mündet in dem Aufruf: „Werden Sie Vorbild und leiten Sie endlich die Agrarwende ein und machen Sie mit: www.wir-haben-es-satt.de“.

"An dem Punkt sind wir jetzt also"

Gegenüber der in Kiel erscheinenden SHZ-Zeitungsgruppe sagte Juliane Vees: „Als wir das Schreiben im Briefkasten hatten, war ich erschrocken. Ich dachte: An dem Punkt sind wir jetzt also, wo wir anonyme Briefe bekommen.“ Jeder könne sie gern anrufen, um auf sachlicher Ebene über Landwirtschaft zu diskutieren. „Aber der Absender ist offensichtlich nicht auf Dialog aus. Einen gemeinsamen Nenner mit so einer Person zu finden, erscheint mir so nicht mehr möglich.“

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, begrüßte die Distanzierung und Klarstellung des Aktionsbündnisses, hätte sich aber eine noch schnellere Reaktion gewünscht. Gleichzeitig äußerte er die Erwartung, dass auch im Umfeld der Demonstrationen „die pauschalen Diffamierungen“ gegen die Landwirtschaft unterbleiben sollten.