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Fische besser schützen

Die Staelsmühle am Oberlauf der kleinen Dhünn. Rechts das neue Wasserrad, das den Gleichstromgenerator im Mühlengebäude antreibt. Foto: privat

16.11.2016 . Rund 430 Wasserkraftanlagen (WKA) erzeugen in NRW Strom, der das Klima nicht belastet und deshalb gefördert wird.

Doch der Anteil des Wasserstromes an der Bruttostromerzeugung in NRW beträgt nur 0,3 %. Und der Anteil des Wasserstromes am Strom aus Erneuerbare Energien Anlagen beläuft sich auf gerade einmal 3 %. Demgegenüber stehen die Nachteile: Angler würden viele Anlagen am liebsten abschalten, weil die Stauwehre Aale, Forellen, Lachse und Co. am Wandern hindern bzw. viele Fische in den Turbinen und Laufrädern geschreddert werden.

Auf der gut besuchten Jahrestagung des Netzwerkes Wasserkraft der EnergieAgentur.NRW auf Haus Düsse beschäftigten sich Fachleute und WKA-Betreiber mit der Frage, wie man den Fischschutz an den Anlagen optimieren und die Akzeptanz der CO2-freien Stromerzeugung verbessern kann.

Förderung wird umgestellt

Tobias Zöllner vom Düsseldorfer Umweltministerium (MKULNV) wies auf Folgendes hin: Im Sommer 2015 hatte die EU-Kommission die Förderpraxis für Wasserkraftanlagen in NRW für unzulässig erklärt. Deshalb wird das Ministerium die Förderung umstellen. Voraussichtlich ab Frühjahr 2017 werden neue Anlagen wieder nach dem Landesprogramm „Progress“ gefördert.

Zudem sind die wasserbaulichen Begleitbauten nach der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) förderfähig. In Zukunft muss der Betreiber seine Stromgestehungskosten im Förderantrag jedoch nachweisen. Die maximale Förderung beträgt 200.000 € in drei Jahren. Zöllner: „Der ins öffentliche Netz eingespeiste Strom wird dann zu den Gestehungskosten vergütet.“

In Zukunft will Düsseldorf sein Vorkaufsrecht für Flächen, die sich in der Umgebung einer WKA befinden, nach dem neuen Landesnaturschutzgesetz verstärkt ausüben. Das Land will die Flächen im Sinne der WRRL naturnah umgestalten, damit auch die Bestandsanlagen weiter betrieben werden können.

Das Landesamt für Naturschutz (LANUV) untersucht momentan, wie viel Strom man aus Wasserkraftanlagen in NRW unter Einhaltung aller Restriktionen theoretisch erzeugen kann. Nach den Worten von Niklas Raffalski erfüllen etwa 620 WKAs die Mindestanforderungen. Ein vorläufiges Ergebnis der Potenzialstudie: Nur die großen Wasserkraftanlagen etwa an Stauseen haben gute Zukunftschancen, weil sie die hohen Kosten für den Fischauf- und -abstieg schultern können.

Wie wandern die Fische?

An Wasserkraftanlagen an der Sieg und Wupper untersucht das MKULNV, wie Lachse und Aale in den Flüssen wandern und wie hoch die Verluste an den Anlagen sind. Von 2014 bis 2016 wurden kleine Lachse („Smolts“) oberhalb der Unkelmühle an der Sieg ausgesetzt und mit Sendern versehen. Erste Ergebnisse des Monitorings stellte Dr. Detlev Ingendahl vor. Je nach Wasserstand, Jahreszeit und Gewässerabschnitt belaufen sich die Verluste auf etwa 5 bis 15 %. Interessant: Größter Feind der Lachse ist der Kormoran.

Vom Getreide zu Strom

Dr. Peter Knüppel aus Wermelskirchen im Bergischen Land hat 2010 eine WKA an der Staelsmühle am Oberlauf der Dhünn reaktiviert. Der Biologe hat ein oberschlächtiges Wasserrad aus Stahl (5,20 m Durchmesser, 1,05 m breit, 20 Schaufeln) an die alte Mühle angebaut, in der früher Getreide gemahlen wurde. Bei einem Wasserdurchfluss von 400 l/Sek. leistet die Anlage 15,6 kW, die maximale Leistung beträgt 18 kW.

Der Mühlenbesitzer verbraucht den Wasserstrom im Mühlengebäude (zwei Wohnungen) und speist den Überschuss für 12,9 Cent ins öffentliche Netz. In trockenen Sommern steht das Wasserrad still. Dann muss Knüppel Strom für etwa 25 Cent zukaufen. Dennoch war der Saldo in den letzten Jahren stets positiv .

Ärger mit der Genehmigungsbehörde (Rheinisch Bergischer Kreis) gab es kaum. Knüppel hatte sich frühzeitig von Stefan Prott (Büro für Wasserkraft, Haus Düsse) beraten lassen. Danach hatte ein Landschaftsarchitekt seinen Genehmigungsantrag ausgearbeitet.

Unterhalb seiner Anlage betreibt der Wupper-Verband die Dhünntalsperre zur Trinkwassergewinnung. Knüppel: „Bei uns gibt es keine Staumauer und kein Querbauwerk. Es verbleibt immer eine Wassermenge von etwa 13 l/Sek. im Gewässerbett. Deshalb gab es auch keine Probleme mit dem Fischschutz.“ Armin Asbrand

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