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Stiftung Westfälische Kulturlandschaft

Erfolge im Kreis Coesfeld: Bioenergie mit Naturschutz

Im Projekt „Energiepflanzenanbau und Biodiversität im Münsterland“ engagieren sich Landwirte im Kreis Coesfeld auf etwa 70 ha für die Artenvielfalt auf dem Acker. Ihr Ziel: Die biologische Vielfalt fördern und die ökonomische Tragfähigkeit wahren.

Zusätzlich zur Erzeugung von Biogas verbessern mehrjährige Blühpflanzenmischungen die Brut- und Aufzuchtmöglichkeiten von Kiebitz und Rebhuhn.

Wie Biogaserzeugung und Naturschutz auf derselben Fläche gelingen kann, zeigte die Stiftung „Westfälische Kulturlandschaft“ bei einer Feld­rundfahrt. Ziel ihres Projektes ist es, ökologisch wertvolle Strategien in den Anbau von Energiepflanzen zu integrieren, die gleichzeitig die biologische Vielfalt erhalten und fördern. Dabei dürfe aber auch die ökonomische Tragfähigkeit nicht vergessen werden. „Denn nur so kann die Integration solcher Anbaumethoden in den landwirtschaftlichen Betrieben gelingen“, unterstrich Michael Uckelmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Coesfeld.

2015 startete das Projekt auf einer Fläche von 3 ha. Mittlerweile erproben 35 Landwirte und Landwirtinnen auf insgesamt knapp 70 ha in Coesfeld-Stevede, Rosendahl und Reken die Anbaustrategien in der Praxis.

Mehrjährige Blühflächen

Die Stiftung zeigte den Besuchern unter anderem mehrjährige Blühflächen, die teils auch energetisch genutzt werden können. Pflanzen wie die Schwarze Flockenblume, Sonnenblumen, der Gelbe Steinklee, der Gemeine Lein und der Echte Buchweizen haben dabei die größten Mischungsanteile. Die blühenden Strukturen sind dabei nicht nur ein Mehrwert für das Landschaftsbild, sie bieten nach bisherigen Projektergebnissen Wildbienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen Nahrungs- und Überwinterungsmöglichkeiten. Zudem sind solche Flächen ein willkommener Lebensraum für Singvögel und diverse Niederwildarten, wie das Rebhuhn.

Eine erhöhte Biodiversität in mehrjährigen Blühmischungen zeigt auch das Monitoring der vorhandenen Tierarten aus den Jahren 2017 und 2018. Mit vier Tagfalterarten und fast 40 Individuen wurde deutlich mehr Artenvielfalt festgestellt als in einem Maisbestand mit zwei Arten und knapp drei Individuen.

Die Verfütterung von Stangenbohnen-Mais-Gemenge an Rinder ist aufgrund des hohen Eiweißgehaltes der Bohne interessant.

Ein Gemenge aus Bohnen und Mais

Beim gemeinsamen Anbau von Mais und Stangenbohnen nutzt die Bohne den Mais als Rankhilfe. Die Ausbringung kann mit einer Saatstärke von 8 Körnern/m² bei Mais und 4 Körnen/m² bei Bohnen entweder gemeinsam oder getrennt erfolgen. Das Gemenge wird für die Erzeugung von Biogas genutzt oder dient zur Fütterung von Rindern.

Neben der Frage, welchen Einfluss die Bohnenblüte auf die Vielfalt bestäubender Insekten hat, wird im Projekt auch die ökonomische Tragfähigkeit betrachtet. Projektleiterin Christiane Baum informierte, dass der Gasertrag des Gemenges im Labor analysiert wird, um Rückschlüsse auf die Wirtschaftlichkeit der Anbaumaßnahmen ziehen zu können.

Die Streifenkombination erweist sich als ein Anziehungspunkt für körnerfressende Vogelarten. Der Anbau fördert gleichzeitig den Aufzuchterfolg vieler Jungtiere.

Kombi-Maßnahme

Durch die streifenförmige Kombination aus extensiv angebautem Getreide und Stangenbohnen-Mais, unterbrochen durch einen Blühstreifen inmitten eines großen Ackerschlages, wird eine vielfältige Struktur geschaffen. Eine verringerte Aussaatmenge von 25 % gegenüber der standort­üblichen Aussaatstärke führt zu lichteren Pflanzenbeständen. Die Vernetzung von „lichten“ und „dichten“ Strukturen bietet einen Ganzjahreslebensraum für Insekten, Vögel und Co, erklärte Christiane Baum. Henrik Schulze Hillert bewirtschaftet die Fläche und stimmt dem zu. Durch die Kombi-Maßnahme beobachtet er deutlich mehr Leben im Bestand.