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Ein Stall, der auf Kufen gleitet

Der Mobilstall von hinten. Beim Verziehen gleitet er über die Förderbänder hinweg. Foto: Waterloh

In der Freilandhaltung ist der stallnahe Bereich eine Problemzone. Hühnerställe, die den Ort wechseln, sind eine Alternative für kleine Bestände. Bei Ursula und Reinhard Massmann aus Bad Essen, Landkreis Osnabrück, leben ihre 700 Hühner in einem Stall auf Kufen.

Der Betrieb der Direktvermarkter, die neben Freilandeiern vor allem Kartoffeln und Gemüse ab Hof verkaufen, wird langfristig auslaufen. Eine feste Bauhülle kam für das Ehepaar deshalb nicht infrage. Die vollständige Automatisierung der Beleuchtung, Fütterung und Tränke sowie des Eierabsammelns war ein weiteres wichtiges Argument für den Mobilstall der Firma Wördekemper Kollenberg. Wert legt Reinhard Massmann darüber hinaus auf ein Nest ohne Einstreu.

Bis zum vergangenen Jahr hatte Massmann gut 340 Hühner in mehreren kleineren Gartenhäusern untergebracht. Dies war mit viel Handarbeit verbunden, und der Auslauf war durch den dauerhaften Tierbesatz überbeansprucht. Kahle Steppe und Verschlämmungen gehören jetzt der Vergangenheit an – trotz doppelter Tierzahl.

Stall ohne festen Boden

Die gesamte Außenhülle sowie die Innenausstattung des insgesamt 15 x 8 m großen Stalles sind auf Stahlkufen errichtet. Isolierte Kunststoffwände in Sandwichbauweise sowie ein Dach, das zwischen zwei Folien mit Glaswolle gedämmt ist, stellen das Grundgerüst dar. Die beidseitig der Mittelachse befindlichen Kotgruben mit darauf angeordneten Futter- und Wasserlinien sowie die mittig angeordneten Nestreihen entsprechen der Volierenbauweise in herkömmlichen Festställen.

Allerdings verfügt der Mobilstall über keine feste Bodenplatte. Um Einträgen in den Boden sowie Kältebrücken vorzubeugen, wurden unter dem Stall zwei Bahnen mit Förderbändern aus dem Tagebau ausgelegt. Sie erleichterten außerdem das Ausmisten, erklärt Massmann. Den Scharrbereich hat er mit Stroh eingestreut. Da Massmann gleichzeitig vier Altersgruppen hält, wurde an jeder Stallseite jeweils eine Unterteilung vorgenommen.

Seit Juni vergangenen Jahres ist der Mobilstall in Betrieb. Massmann plant, diesen etwa vier Mal im Jahr zu verziehen, um so die gesamte einen halben Hektar große Auslauffläche nach und nach nutzen zu können. Das eigentliche Verziehen, bei dem auch das fest am Stall montierte Futtersilo mitbewegt wird, führt Massmann mit einem 120-PS-Traktor durch. Es nimmt etwa 15 Minuten Zeit in Anspruch. Da die Hühner dem Stall dabei folgen müssen, setzt Massmann auf sorgfältiges Vorgehen und Kontrollpersonen innerhalb des Stalles.

Durch im unteren Stallbereich angebrachte Gummimatten gleitet der Stall über die Mistmatratze hinweg. Der Stall im Rundbogensystem wurde komplett angeliefert und innerhalb einer Woche montiert. Bei konventioneller Haltung ist er ausgelegt für knapp 1000 Hennen. Der Stallplatz kostet je nach Grad der Ausstattung und Automatisierung ab 50 €. Auch Mastgeflügel wird erfolgreich in Mobilställen gehalten. bw

Weitere Beispiele zu mobilen Geflügelställen finden Sie in Wochenblatt-Folhr 4/2012 auf den Seiten 37 bis 39.