Partner von

Ärger um Gülle aus Holland

Gülletausch ist an sich nichts schlechtes: Das erläuterten Stefan Pastoors, Thomas Apelt, Thomas Wiethege, Marius Bussmann und Ludwig Krämer (von links). Foto: Quinckhardt

09.07.2014 . Gülle erhitzt die Gemüter der Bewohner der Stadt Halver im Märkischen Kreis. Genauer gesagt sind es vornehmlich Tanklaster mit niederländischen Kennzeichen, die für Aufregung sorgen. Besagte Lkw transportieren Gülle in die Region. Stehen sie dort zum Umpumpen am Feldrand, sorgt das für Unverständnis.

Das Thema beschäftigt auch die lokalen Medien und die örtliche Politik: „Wiesen unter Jauche gesetzt“, „Gülletourismus“ und „Abfallentsorgung“ sind nur einige der Schlagworte, die dabei bislang gefallen sind.

Normales im Zwielicht

Diese Diskussionen waren der Grund für die Vertreter des landwirtschaftlichen Ortsverbands Halver, am Donnerstag vergangener Woche zu einem Pressegespräch auf den Milchviehbetrieb Pastoors in Halver einzuladen.

„Wir sind nicht damit zufrieden, dass etwas ins Zwielicht gerät, obwohl es eigentlich etwas ganz Normales ist, Gülle auszubringen“, machte Thomas Wiethege deutlich. Der Vorsitzende des Ortsverbands Halver verwies darauf, dass die Gülleausbringung strengen Regeln unterliegt. Nicht nur die Ausbringungszeiten, auch die erlaubten Mengen sind gesetzlich geregelt. „Wenn wir 20 m3 pro ha ausbringen, entspricht das 2 l Gülle pro m2“, veranschaulichte Wiethege. Eine Kuh auf der Weide scheide ähnliche Mengen aus, sagte er. Das nehme die Bevölkerung allerdings völlig anders wahr.

Lkw fallen auf

Auch bei der Diskussion um die niederländischen Gülletaxis spielt die Wahrnehmung eine Rolle. „Gülleausbringung ist auffälliger geworden“, sagte Milchviehhalter Stefan Pastoors. Schließlich fallen Lkw am Feldrand mehr auf als ein einzelnes Güllefass. Dabei ist der Transport mit größeren Einheiten nicht per se schlecht. In Zeiten bodennaher Ausbringungstechnik bietet es wirtschaftliche und ökologische Vorteile mit Zubringern zu arbeiten. Das erläuterte Milcherzeuger Thomas Apelt.

Sein Berufskollege Wiethege ergänzte: „Ich fühle mich als rechtschaffender Landwirt – und habe auch schon niederländische Güllespeditionen eingesetzt.“ Je nach Entfernung zwischen Feld und Betrieb sei es günstiger, die Gülle per Lkw anstelle mit Schlepper und Güllefass zu transportieren.

Handel ist nicht anrüchig

Auch der Handel mit Gülle sei weder außergewöhnlich noch in irgendeiner Art anrüchig und werde außerdem engmaschig kontrolliert. Natürlich sei es wünschenswert, dass in Halver vornehmlich Gülle aus dem Kreisgebiet und nicht über weite Strecken angefahrene Nährstoffe ausgebracht würden, sagte Ludwig Krämer. Aber das sei eine wirtschaftliche Überlegung und werde zwischen Daumen und Zeigefinger entschieden. Gleichwohl sei das Sauerland keine prädestinierte Region, um Gülle aus viehstarken Gegenden aufzunehmen, betonte der Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Kreisverbandes. DQ

22°C