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Meinung

Kundgebung: Gemeinsam etwas bewegen

Mehr als 6000 Landwirte aus vielen Teilen Deutschlands setzen in Münster ein Ausrufezeichen gegen die geplante Verschärfung der Düngeverordnung. Ein Kommentar von Wochenblatt-Chefredakteur Anselm Richard:

Das Bild war eindrucksvoll und die Botschaft klar. 6000 Bäuerinnen und Bauern haben auf dem Münsteraner Domplatz für ihre Zukunft demonstriert, ihre Sorgen und ihren Ärger ausgedrückt, aber auch ein Signal der Dialogbereitschaft ausgesandt: Auch wir stehen für den Schutz des Grundwassers ein. Aber wir lassen nicht zu, dass unsere Betriebe durch fachlich unsinnige Vorschriften zerstört werden.

Nicht nur Bauern aus den Veredlungsregionen Münsterland und Weser-Ems waren präsent in der Westfalenmetropole, sondern Berufskollegen auch aus Hessen oder Bayern. Das zeigt die große Betroffenheit unter den Landwirten.

Moderates Auftreten förderlich

Die Ansprachen der Bauernverbandspräsidenten aus Westfalen, Niedersachsen und dem Rheinland waren inhaltlich eindeutig, aber nicht polemisch. Mancher Bauer, der um die Zukunft seines Hofes bangt, hatte sich dabei wohl mehr „Dampf“ gewünscht. Für die Außendarstellung wird das moderate Auftreten aber förderlich gewesen sein. Das Presseecho jedenfalls war, abgesehen von klassisch bauernfeindlichen Medien oder Satiresendungen, eher positiv. Die Sorgen der Bauern werden ernst genommen und nicht einfach als Gejammer eines ewig gestrigen Berufsstandes abgetan. Dazu hat wesentlich der Auftritt von Milchviehhalterin Bettina Hueske beigetragen. Schade, dass Umweltministerin Svenja Schulze es trotz ausdrücklicher Einladung nicht für nötig befunden hat, sich mit den Anliegen der landwirtschaftlichen Praxis auseinanderzusetzen.

Probleme lassen sich nicht aussitzen

Julia Klöckner hat in Münster ein weiteres Mal politisch geschickt agiert. Sie scheute sich nicht, ihre Sicht der Dinge und die von Brüssel vorgegebenen Zwänge zu schildern. Gekonnt verknüpfte die Bundeslandwirtschaftsministerin Verständnis für die Agrarbranche mit der Botschaft, dass weitere Anstrengungen für die Reinhaltung des Wassers unverzichtbar sind. Unrecht hat sie nicht mit dem Hinweis, dass in den vergangenen Jahren viel Zeit ungenutzt geblieben ist. Probleme lassen sich nicht aussitzen. Wenn nun vor allem Umweltpolitikern eine Notbremsung oder ein radikaler Kurswechsel erforderlich scheint, hinterlässt das Spuren im Alltag.

Ursula Heinen-Esser ist in Düsseldorf als Ministerin längst auf dem Weg, die Basis für faktenbasiertes Handeln zu sichern. Das Messstellennetz in NRW wird überprüft und wo nötig nachgebessert. Falsche Messwerte müssen ausgemerzt werden. Aber wo definitiv eine zu hohe Nitratbelastung vorliegt, ist gezieltes Gegensteuern angesagt. Dem können sich auch die Landwirte nicht ernsthaft verschließen.

Und das Resümee?

Was ist erreicht worden mit dem Kraftakt der Großkundgebung? Politik und Bauern gehen wieder aufeinander zu. So lässt sich die Messstellenproblematik lösen und die pauschale Vorgabe, in „roten“ Gebieten 20 % unter Bedarf zu düngen, vielleicht noch auf das fachlich Vernünftige reduzieren. Das wäre ein gutes Resultat. Bäuerinnen und Bauern wehren sich gegen unsinnige Auflagen, aber bekennen sich auch zum Schutz des Grundwassers.

Viele Landwirte waren zur Kundgebung nach Münster gekommen.