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Zeitzeugen befragen: 1. Gespräch gut vorbereiten

  • Ältere Menschen können viel über die Familiengeschichte erzählen. Foto: B. Lütke Hockenbeck

Sie sind das i-Tüpfelchen jeder Hofchronik: die Erinnerungsberichte meist betagter Zeitzeugen. Was ist zu beachten, wenn man für die Hof- oder Familienchronik ältere Personen als „Zeitzeugen“ befragt?

Wer alte Leute nach ihren Erinnerungen befragt, kann wahre Schatztruhen öffnen. Dabei können Ereignisse und Zusammenhänge aus der Hof- und Familiengeschichte ans Tageslicht kommen, die bis dahin niemand kannte. Ältere und alte Mitglieder der Familie oder auch Nachbarn wissen manche Details zu berichten, über die Akten, Bücher und vergilbte Zeitungen schweigen.

Gespräch gut vorbereiten

Doch Vorsicht: Die Erzähl- und Erinnerungsschätze der meist betagten Zeitzeugen sind keine unerschütterlich-objektiven Sachberichte. Vielmehr weisen sie durchaus ihre Eigenheiten auf und wandeln sich im Laufe der Zeit.

Zeitzeugen befragen
1. Gespräch gut vorbereiten
2. Genügend Zeit einplanen
3. Diskutiere nicht, frage
4. Erinnerungen sind kein Evangelium

Um betagte Menschen nach ihren Erinnerungen zu befragen, müssen einige Grundregeln eingehalten werden. Ein saloppes „Erzähl’ doch mal von früher“ bringt die wenigsten zum Reden. Dieser Satz kann sogar Gespräche blockieren, bevor sie recht begonnen haben. Um an die Erzählschätze heranzukommen, ist es für den Interviewer wichtig, sich gut vorzubereiten.

Thema vor dem Gespräch klären

Zunächst einmal: So ein Gespräch sollte vorab vereinbart werden – zumindest dann, wenn der Fragende nicht zur Familie gehört. Unangekündigt sollte niemand einem Zeitzeugen „auf die Pelle rücken“. Der Befragte sollte rechtzeitig wissen, wer da warum und zu welchem Zeitpunkt kommt. Außerdem sollte das Thema der Fragen geklärt sein. Es ist schließlich ein Unterschied, ob beispielsweise über Familienbräuche zu Ostern, über die Nazizeit im Dorf oder über Ablauf und Folgen der Flurbereinigung in den 1960er-Jahren geredet werden soll.

Antworten veröffentlichen?

Auch muss allen Beteiligten vor Beginn des Gespräches klar sein, was mit dem Inhalt geschehen soll. Sollen die erzählten Erlebnisse nur für die Schublade festgehalten werden? Sind sie für einen überschaubar familiären Kreis von Hofchronik-Lesern gedacht? Oder soll ein Erinnerungsbericht bzw. ein wörtliches Interview in einer Zeitschrift oder gar in einem Buch veröffentlicht werden – und wenn ja: Geschieht das anonym oder mit vollem Namen? In diesem Fall wäre auch zu klären, ob der Befragte den Text vor der Veröffentlichung noch einmal „gegenlesen“ darf, um eventuelle Unklarheiten oder Fehler anzustreichen. Gisbert Strotdrees

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